Schiffsmodelle
Seit Jahrtausenden werden aus unterschiedlichen Materialien und unter Zuhilfenahme verschiedenster Techniken Nachbildungen von Schiffen angefertigt. Ihre Erbauer beweisen dabei nicht nur Ausdauer und handwerkliches Geschick, sondern erlangen auch Verständnis für Proportionen und technische Zusammenhänge.
Als ältestes erhaltenes Schiffsmodell gilt ein im Zweistromland in Mesopotamien gefundenes Tonmodell eines Segelschiffes, welches vor 4 000 Jahren mühevoll von Hand hergesellt wurde. Überraschend detailgetreue Schiffsmodelle fand man bereits in den Gräbern der Antike. So wurde der altägyptische Pharao Tutenchamun im 2. Jahrhundert v. Chr. mit kostbaren Schiffsmodellen als Grabbeigaben bestattet. Zeugen ihrer Zeit sind auch die während der napoleonischen Kriege von Gefangenen aus Abfällen gefertigten Knochenschiffe. Genau nach Maßstab und Proportionen hergestellt wurden Schiffsmodelle bereits im 16. Jahrhundert. Die Schiffbauer Venetiens erhofften sich durch diese ausgefeilten Entwürfe wachsende Aufträge. Dieser Idee folgend, forderten dänische Schiffbauer im ausgehenden 17. Jahrhundert per staatlicher Verordnung Schiffsmodelle als Arbeitsvorlage. Der kommerzielle Schiffbau orientierte sich vermehrt an Halbmodellen, um das Verhalten der Schiffe unter Wasser zu testen. Seit dem zwanzigsten Jahrhundert hielten hydrodynamische Schiffsmodelle Einzug in die Schiffsbau-Versuchsanstalten.
Man unterscheidet verschiedene Arten von Schiffsmodellen. Funktionsmodelle sind nicht nur maßstabgetreu gefertigt, sondern können auch die wichtigsten technischen Fertigkeiten des Originals ausführen. Sie werden per Fernsteuerung bedient und vermitteln einen realistischen Gesamteindruck. Erfüllt das Schiff keine technischen Funktionen und wurde nur optisch nach Maßstab gearbeitet, handelt es sich um ein Standmodell. Beliebte Schiffsmodelle sind das Kreuzfahrtschiff “Titanic”, das legendäre Schlachtschiff “Bounty” oder das Forschungsschiff “Calypso”. Bei hydrodynamischen Schiffsmodellen wird der Schiffsrumpf verkleinert nachgebildet. Mit Hilfe dieser Modelle werden die Eigenschaften des Unterwasserschiffes im Versuchskanal getestet. Sie können je nach Bedarf über Ruder, Propeller, Elektromotoren oder Ballast verfügen und dienen zur Erprobung des Verhaltens bei Seegang oder anderen Turbulenzen und zum Testen der allgemeinen Wirtschaftlichkeit des Schiffes.
Um Schiffsmodelle herzustellen, bedient man sich unterschiedlicher Methoden. Bereits in der Antike wurden Modelle aus Ton geformt. Heute arbeitet man auch mit Pappmachee oder Knetmasse. Weiterhin können Schiffsmodelle durch künstlerische Fertigungsarten, wie durch Schnitzen oder Bildhauerarbeiten, hergestellt werden. Gängig sind auch Modelle aus Blech oder Kunststoff. Eine beliebte Variante ist hierbei die Herstellung mittels Spritzguss.
Für Hobby-Modellbauer ist eine große Vielfalt an Bausätzen im Angebot. Schiffsmodellbau ist ein bei allen Altersgruppen beliebtes Hobby, was, auf Grund exakter Anleitungen und passgenauer Teile, schnell von Erfolg gekrönt ist. Häufig bestehen die Bausätze aus Kunststoffteilen und beeindrucken durch eine große Vielfalt an Details. Durch Kleben oder Zusammenfügen sind die Modelle relativ schnell und unkompliziert herzustellen. Mehr Fingerfertigkeit verlangen Modellbaubögen. Die Teile müssen zunächst aus Kartonbögen ausgeschnitten und danach entsprechend gefalzt und verklebt werden. Man findet diese Fertigungsart häufig bei Standmodellen. Wer mit mehr Kreativität und Individualismus ans Werk gehen möchte, findet auch Baupläne im Handel, welche zwar die Fertigung Schritt für Schritt erklären, jedoch kein entsprechendes Material mitliefern. Der Käufer kann nun, je nach seinen Fertigkeiten und Möglichkeiten, über das Material selbst entscheiden und so ein wahres Unikat schaffen.
Höchste Perfektion in Material und Funktionalität erreichen die in Ausstellungen gezeigten Modelle von Schlacht- und Passagierschiffen, welche häufig Längen von einem bis fünf Metern aufweisen. Herausragende Präsentationen zeigen das Deutsche Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven, das Deutsche Museum in München oder das Heeresgeschichtliche Museum in Wien.
Zahlreiche Schiffsmodellbauer sind in Vereinen organisiert und gehen regelmäßig ihrem Hobby nach. Die unterschiedlichen Schiffsmodelle werden von den entsprechenden Organisationen in Klassen eingestuft und zu regionalen Wettkämpfen, bis hin zu Weltmeisterschaften zugelassen.
