Schiffsglocke
Die Schiffsglocke, bis heute unverzichtbar
Die Schiffsglocke – der Signalgeber für Not- und Nebelsignale, für die Länge der ausgesteckten Ankerkette und früher auch als Zeitgeber.
Läuft ein Schiff vom Stapel, ist eine Schiffsglocke an Bord. Die Größe der Glocke hängt dabei von der Größe des Schiffes ab und ist genau vorgeschrieben. Die Glocken sind meist aus Messing gegossen und haben geprägte Inschriften. In vielen Fällen den Schiffsnamen und das Jahr des Stapellaufes. Aber auch Segenssprüche oder Namen sind auf Schiffsglocken zu finden. Der Griff am Klöppel wird oft sehr kunstvoll aus Leinen geflochten. Auch die Art der Aufhängung an Bord ist sehr individuell und je nach Schiffart kunstvoll oder schlicht.
Schiffsglocken kannte man in Ostasien bereits vor unserer Zeitrechnung. In Europa sind sie seit dem 16. Jahrhundert nachgewiesen und in Gebrauch. Schiffsglocken sind beliebte Sammlerstücke und in den maritimen Museen finden sich auch so berühmte Schiffsglocken wie die Glocke von der Titanic, die aus 3800 Metern Tiefe heraufgeholt wurde.
Bei dem ersten und bekanntesten Seeversicherer Lloyd´s in London kann im Foyer die Schiffsglocke der im Oktober 1799 gesunkenen Fregatte Lutine bewundert werden. Ertönt diese Glocke, ist es allerdings ein trauriges Ereignis. Sie wird geschlagen, wenn auf einem der Weltmeere ein bei Lloyd´s versichertes Schiff gesunken ist.
Die Schiffsglocke wird auch bei Seebestattungen eingesetzt und bei acht „Glasen“, also acht Schlägen, zeigt sie an, wenn eine Persönlichkeit von Bord geht, beziehungsweise wenn Wachwechsel ist. Die Wichtigkeit der Schiffsglocke und ihre hohe Symbolkraft zeigen sich nicht nur in ihrem Gebrauch, sondern auch darin, dass vor der Verschrottung eines Schiffes die Schiffsglocke in den meisten Fällen von Bord genommen wird.
Wie wird denn nun das Läuten einer Schiffsglocke „gelesen“ und was sind die Hauptaufgaben der Schiffsglocke?
Der Ausspruch, was „die Stunde geschlagen hat“, kommt eindeutig aus der Seefahrt. Bevor es Atomuhren und GPS gab, wurde durch das sogenannte „Glasen“ die Zeit angegeben. Der Ausdruck „Glasen“ kommt von den gläsernen Sanduhren, die seinerzeit benutzt wurden. Geschlagen wurde halbstündlich. Ein Schlag mit der Glocke bedeutete eine halbe Stunde. Ein Doppelschlag bedeutete eine Stunde. War es also 2.30 Uhr, hörte der Seemann zwei Doppelschläge und einen einzelnen Schlag mit der Glocke. Dabei wurde nicht extra zwischen den Tageszeiten unterschieden. Das sah man ja, ob es Nacht war oder am Vormittag. Der Rhythmus war vierstündig, ebenso wie der Wachwechsel-Rhythmus. Nach vier Doppelschlägen ging es mit einem einzelnen Schlag wieder von vorne los.
Ein weiterer sehr wichtiger Einsatz der Schiffsglocke ist der bei Nebel und schlechter Sicht. Mit festgelegten Zeitintervallen wird geläutet und somit der Standpunkt angezeigt. Auch wenn bei Nebel geankert wird, oder ein Schiff festsitzt, kommt die Glocke zum Einsatz. Liegt zum Beispiel in der Seeschifffahrt ein Schiff unter 100 Meter Länge bei Nebel von Anker, muss mindestens einmal pro Minute die Glocke geschlagen werden.
