Schiffsfonds

Schiffsfonds oder Schiffsbeteiligungen sind geschlossene Fonds, die es privaten und institutionellen Anlegern erlauben, sich am Betrieb von Schiffen zu beteiligen. Die meisten Schiffsfonds beziehen sich auf die Frachtschifffahrt. Immer öfter bieten Reedereien und Emissionshäuser aber auch Schiffsfonds an, die sich mit der Finanzierung und dem Betreiben touristischer Kreuzfahrtschiffe befassen. In der Regel betreibt ein einzelner Schiffsfonds immer nur ein einziges Schiff. Nur selten besteht auch die Möglichkeit, sich im Rahmen einer einzelnen Schiffsbeteiligung gleichzeitig an mehreren unterschiedlichen Schiffen oder einer ganzen Flotte zu beteiligen, was allerdings aus Diversifikationsgesichtspunkten sehr interessant sein kann.

Schiffsfonds sind für Anleger nur im Rahmen des sogenannten Emissionsvorgangs für Anlegergelder offen. Wird der anvisierte zeichnungsbetrag erreicht, wird der Fonds geschlossen (deshalb auch der Name „geschlossener Fonds“). Für Neuanlagen stehen Schiffsfonds dann grundsätzlich nicht mehr offen. In diesem Punkt unterscheiden sich Schiffsfonds als geschlossene Fonds von den sogenannten offenen Fonds, bei denen jederzeit neue Fondsanteile erworben werden können. Ein weiterer Unterschied liegt darin, dass es sich bei Schiffsfonds um rein unternehmerische Beteiligungen handelt. Meistens werden Schiffsfonds als Kommanditgesellschaften aufgelegt, an denen die Anleger eine Beteiligung erwerben und somit zu Kommanditisten werden. Zwar ist damit eine persönliche Haftung für die Anleger ausgeschlossen, allerdings bringen Schiffsfonds das theoretische Risiko des Totalverlustes mit sich. Ein weiterer Aspekt, den es zwangsläufig zu berücksichtigen gilt, sind die hohen Mindestanlagebeträge bei den meisten Schiffsfonds. Diese liegen nicht selten über 10.000 Euro, können sogar 50.000 oder 100.000 Euro betragen.

Beim Erwerb von Schiffsfonds fallen außerdem vergleichsweise hohe Ausgabeaufschläge an, die sich je nach Anbieter auf Beträge zwischen 5 und 7 Prozent der Beteiligungssumme belaufen können. Aus diesem Grund und aufgrund der Tatsache, dass Schiffsfonds grundsätzlich langfristig operieren, sollten nur Anleger mit einem entsprechenden Anlagehorizont Schiffsfonds zur Vermögensanlage nutzen. Ohnehin ist es nur unter bestimmten Umständen möglich, vor dem Ende der festgelegten Mindestlaufzeit aus einer Schiffsbeteiligung auszusteigen. Die meisten Emissionshäuser bieten zwar durchaus einen vorzeitigen Ausstieg an, allerdings ist dieser nur bei Erfüllung ganz bestimmter Voraussetzungen möglich. Zu erwähnen wäre hier beispielsweise eine wirtschaftliche Notsituation, die dem Emissionshaus aber nachgewiesen werden muss. Insofern ist es sinnvoll, wenn man als Anleger einen entsprechenden Anlagehorizont mitbringt.

Die besondere Attraktivität von Schiffsfonds geht aus der Kombination aus hohen Ausschüttungen und den Steuervorteilen aus. Durch ein Engagement in Schiffsfonds können vor allem Anleger mit einem hohen persönlichen Einkommenssteuersatz ihre einkommenssteuerliche Belastung reduzieren und darüber hinaus hohe Nettorenditen erzielen, die teilweise deutlich über 10 Prozent liegen können. Entscheidend für die Rendite ist allerdings die Auslastung des Schiffes. In wirtschaftlichen Krisenzeiten sinken daher auch die Renditen der Schiffsfonds. Im Rahmen der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 ist auch der Welthandel eingebrochen. Viele Schiffe liegen daher tagelang ohne Fracht in den Häfen, sodass die versprochenen Ausschüttungen in letzter Zeit bei immer weniger Schiffsfonds auch tatsächlich eingehalten werden konnten. Experten schließen als Folge dieses Auslastungseinbruchs sogar eine Rückforderung von bereits in den vergangenen Jahren getätigten Ausschüttungen bei einigen Fonds nicht mehr aus.

Auch bei Neuengagements gilt es daher unbedingt zu bedenken, dass Schiffsfonds sich in Krisenzeiten nicht nur nicht bewähren, sondern oft besonders stark betroffen sind. Wer als Anleger aktuell die Frage stellt, ob ein Investment in Schiffsfonds überhaupt noch Sinn macht, der sollte 2 wesentliche Aspekte bei seiner Entscheidung berücksichtigen: In Zukunft werden noch weitere Schiffe, die in den letzten Jahren in Auftrag gegeben wurden, auf den Markt drängen. Die Auslastung der Schiffe könnte bei einem Ausbleiben einer Erholung des Welthandels also weiter sinken. Andererseits eignen sich Krisenzeiten üblicherweise auch als Einstiegsgelegenheiten. Die Preise für Frachtschiffe sind stark gefallen, sodass insbesondere Schiffsfonds, die gebrauchte Schiffe kaufen und betreiben, eine interessante Einstiegsgelegenheit bieten. Hier bieten sich enorme Gewinnchancen, wenn sich die Wirtschaft wieder erholt und die Auslastung der Frachter und damit die Preise für Schiffe anziehen.