Bullaugen




Wer von Bullaugen spricht, der redet meist von den runden Fenstern im Schiffsbau. Bullaugen haben aber auch ganz andere Einsatzgebiete, an die man vielleicht gar nicht denkt.
Die Konstruktion eines Bullauges ist vom Prinzip her ganz einfach gehalten. Eine runde Glasscheibe wird von einem runden Metallring gehalten. Für die Dichtigkeit wird ein spezieller Klebstoff und eine Silikonfuge um die Glasscheibe gelegt. Die runde Konstruktion wurde nicht aus optischen Gründen gewählt, sondern aus rein technischen. Die Druckverteilung ist über die gesamte Fläche gleichmäßig. Demnach kommt es auch bei hohem Druck zu keinem Glasbruch. Eckige Fensterscheiben können den Druck, der von außen als auch von innen auf die Glasscheibe einwirkt, nicht abgeben und zerbersten entsprechend.
Die technischen Vorraussetzungen ermöglichen den Einsatz an vielen Orten, die gar nichts mit dem Schiffsbau zu tun haben. So werden beispielsweise Bullaugen bei Maschinen eingesetzt. Dadurch wird es einem ermöglicht ins innere der Maschine zu schauen, ohne sie zu öffnen oder den laufenden Prozess zu unterbrechen. Besonders oft werden Bullaugen bei Hochdruckkesseln oder Öfen verwendet. Von außen kann man somit ein gerade zu bearbeitendes Werkstück beobachten und mit geeigneten Einrichtungen auch bewegen.
Bullaugen finden ebenfalls Verwendung in Anlagen mit chemischen Substanzen. Da nur so die Prozesse beobachtet werden können, ohne das dabei eine Gefahr für den Menschen besteht.
Selbst bei handelsüblichen Waschmaschinen redet man bei der Glastür von Bullaugen. Heute sind diese zwar prinzipiell überflüssig, da der Waschvorgang automatisiert von statten geht. Früher war es jedoch üblich, die Wäsche zu beobachten und entsprechende Waschmittel nachträglich einzufüllen. Die Ladeluken oder Bullaugen haben das Bild der Waschmaschine geprägt und sind aus traditionellen Gründen nicht mehr weg zu denken.
Ein wichtiges Einsatzgebiet ist zu dem die Raumfahrt. Hier dienen die Bullaugen einzig und alleine zum heraus schauen. Die Bullaugen sind wie beim Schiffsbau gefertigt, jedoch sind die Glasscheiben aus Quarzglas und der Rahmen aus Titan. Der Grund dafür ist in den großen Temperaturunterschieden zu suchen. Die Scheiben müssen im Weltall einen Temperaturunterschied von mehreren hundert Grad aushalten. Bei den ersten Apollo Missionen dienten die Bullaugen auch als Ein- und Ausstieg.
Der hauptsächliche Einsatzort ist aber der Schiffsbau. Hier werden Luxusliner und sonstige Schiffe mit Bullaugen ausgestattet. Die Kabinen erhalten somit tageslicht ohne das eine Gefahr besteht, dass es zu einem Wassereinbrauch kommt oder das jemand unbeabsichtigt auf hoher See aus dem Schiff heraus fällt. Bei einigen Schiffen dienen die Bullaugen auch als Fenster zum Navigieren. Beispielsweise haben einige Schiffsbrücken Bullaugen mit eingezeichnetem Raster. Damit kann die horizontale und vertikale Lage des Schiffs bestimmt werden. Dies wird vor allem in engen Hafenzufahrten angewandt. Einige Bullaugen verfügen ebenfalls über einen Öffnungsmechanismus. Allerdings nur dann, wenn das Bullauge in einem Bereich liegt, wo kein Wasser eindringen kann. Der Verschließmechanismus ist deutlich drucksicherer als ein herkömmlicher Fensterverschluss, dennoch ist dies eine Schwachstelle des Schiffs. Bei einigen Konstruktionen dient das Bullauge auch als Notausstieg welches mit einem gezielten Arbeitschritt schnell, sauber und sicher entfernt werden kann.
Von den Bullaugen an sich gibt es viele Ausführungen für unterschiedlichste Zwecke. Ist der Einsatzbereich mit hohem Druck bedacht, so wie bei einem U-Boot, sind die Scheiben zur besseren Druckverteilung gewölbt. Als Fensterfunktion sind die Scheiben eher eben.