Schiffsuhren
Die Zeitmessung an Bord eines Schiffes ist Voraussetzung für die zuverlässige Erfüllung unterschiedlicher Tätigkeiten und des reibungslosen Ablaufs aller Arbeiten. Aus diesem Grund befinden sich auf jedem Schiff spezielle Schiffsuhren.
In früheren Zeiten erfolgte die Navigation auf Schiffen durch einfache Hilfsmittel. Der Erfinder der Schiffsuhr, welche auch als Schiffschronometer bezeichnet wird, war der aus Schottland stammende Schreiner und Uhrmacher John Harrison.
Neben dem Bau von Schiffsuhren und verschiedener anderer Messinstrumente gelang es ihm, mit Hilfe exakt arbeitender Chronometer eine Bestimmung des Längengrades auf schwankenden Schiffen zu bewerkstelligen. Die Bestimmung des Längengrades konnte vorher in den unterschiedlichen Klimazonen nur eingeschränkt ausgeführt werden. Aus diesem Grund verunglückten viele Schiffe und fanden sich in den großen Weiten der Meere und Ozeane nicht mehr zurecht.
Das gesamte Leben verbrachte der Erfinder damit, an der Verbesserung der Präzision zu arbeiten. 1761 gelang es dem Sohn von Harrison eine sogenannte H4 zu entwickeln. Es handelte sich hierbei um eine enorm große und schwere Taschenuhr. Die Admiralität erklärte sich bereit, zum Nutzen der Seefahrt diesen Chronometer auf See einzusetzen und zu testen. Das Resultat war beeindruckend: Bei der Überquerung des Atlantik während einer Seereise nach Jamaika in einem Zeitraum von 81 Tagen betrug die Ungenauigkeit der Schiffsuhr nur ganze fünf Sekunden.
In den weiteren Jahren erfuhr die Schiffsuhr durch den Manufakturbesitzer Erwin Sattler eine enorme Weiterentwicklung.
Er stellte diese Uhr in seiner Manufaktur in Handarbeit her und stattete sie mit einem Räderwerk aus. Durch ein extrem widerstandsfähiges und zuverlässiges Federzugwerk wurde dieser Chronometer zu einem präzisen Zeitmesser auf See.
Die Herstellung dieser Uhren war sehr aufwendig, da der Federkraftausgleich über Miniaturstahlseile und eine Schnecke erfolgte. Um zu vermeiden, dass die Uhr beim Aufziehvorgang anhält, wurde das schon komplizierte Uhrwerk mit einem sogenannten Gegengesperr kombiniert. Es handelte sich hierbei um eine völlig neue technische Baueinheit. Sie basierte auf den Grunderkenntnissen des schottischen Schiffsuhrenbauers Harrison.
Besonders beeindruckend für Sammler und interessierte Uhrenliebhaber ist die beeindruckende Verarbeitung des Zifferblattes und der Zeiger. Die eingearbeiteten Zeiger bestehen aus Stahl. In einem zugehörigen Zifferblattpart arbeiten die Zeiger auf Basis einer verbleibenden Gangreserve. Aus Gründen des Korrosionsschutzes wurden überwiegend versilberte Zifferblätter hergestellt. Die Anzeige der jeweiligen Uhrzeit basiert auf einer Regulatoranordnung. Diese ist auch in herkömmlichen Präzisionspendeluhren zu beobachten.
Für den Einsatz auf Schiffen wurde insbesondere Wert auf die wasserdichten Gehäuseverarbeitungen gelegt. Eine Montage aus vernickelten Bronzeteilen läßt die Uhren stabil und robust wirken. Das Zifferblatt und die Zeigersysteme werden durch eine Panoramaverglasung geschützt.
Hochwertige Schiffsuhren haben den Vorteil, dass durch die spezielle Verarbeitung durch die Verglasung in das Innenleben des Uhrwerks hineingeschaut werden kann. Die entsprechenden Zahnräder, welche überwiegend vergoldet sind, um nicht zu rosten, Kleinstkugellager und elf Rubinsteine stellen das Uhrwerk dar.
Bei der Originalausführung der Schiffsuhr ist ein Schweizer Echappement mit einer freien Ankerhemmung rückseitig angebracht worden. Beeindruckend ist die Schraubenunruh, welche die Regulierung durch eine mehrwöchige Einstellungsprozedur erfährt. Neben der Bedeutung dieser Originaluhr auch als geschichtlichen Meilenstein ist sie ein Beispiel für höchste Uhrmacherkunst im Bereich der Schiffsuhren. Sie erhält ihren Platz in der Offiziersmesse eines ganz besonderen Schiffes.
Alle Nachfahren dieser Originaluhr bestehen heute ihren Dienst auf allen Schiffen und besitzen allesamt Skalen, welche in englischer Sprache gehalten sind.
